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John Scalzi

Kollaps - Das Imperium der Ströme 1: Roman


 
»Kollaps - Das Imperium der Ströme 1: Roman« von John Scalzi


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
Die Menschheit hat ein großes Imperium errichtet, untereinander verbunden durch natürliche Sternstraßen, Ströme genannt, die sich quer durchs Weltall ziehen. Überall dort, wo die Ströme ein Planetensystem tangieren, werden Raumstationen gebaut oder riesige Felsbrocken künstlich ausgehöhlt und zu einem Habitat ausgebaut. Jedoch ist keine dieser Raumstationen oder Habitate für sich allein gestellt überlebensfähig. Nur der Handel untereinander, der Austausch von Nahrung, Wasser und Mineralien, ist Garant für das Fortbestehen der kleinen menschlichen Außenposten.

Regiert wird das Imperium, kurz auch Interdependenz genannt, von einem Imperatox. Unter ihm sind die merkantilen Gilden angesiedelt, mächtige Häuser und Familien , die alle eine bestimmte Aufgabe oder Leitung innerhalb des Imperiums erfüllen. Eines der mächtigsten Häuser ist die Familie Wu, die auch zur Zeit den Imperatox stellt. Weitere einflussreiche Gildenhäuser sind die Familien Lagos und Nohamapetan. Alle Familien sind auf der Hauptwelt der Interdependenz angesiedelt, dem Planeten Nabe.

Als zwei Wissenschaftler unabhängig voneinander zu den gleichen Schlußfolgerungen gelangen, nämlich das sich eine Verschiebung der Ströme anbahnt, wodurch viele der existierenden menschlichen Habitate von dem Rest des Imperiums abgeschnitten werden und somit unweigerlich dem Untergang geweiht sind, bahnt sich eine Revolution an.

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Kollaps ist der erste Band der neuen “The Interdependency“ Serie von John Scalzi. Der Titel ist dabei gut gewählt, denn er gibt so ziemlich den zentralen Punkt des vorliegenden Buches wieder – die gegenseitige Abhängigkeit aller menschlicher Außenposten voneinander, seien es nun die besiedelten Planeten oder die künstlich geschaffenen Raumstationen und Habitate. Alles ist mit allem verknüpft, nichts kommt ohne das andere aus. In Zeiten in denen die Ströme funktionieren kann das durchaus eine Stärke sein, nach der drohenden Verschiebung der Ströme jedoch eine ausgesprochene Schwäche und Katastrophe, die den Untergang der kompletten menschlichen Zivilisation nach sich ziehen könnte.

Das Universum das Scalzi entworfen hat, ist durchaus interessant und „farbenfroh“, aber leider auch nichts wirklich besonderes oder gar innovatives. Ein Reich, das von Gildenhäusern und Imperatoren (Imperatoxe) regiert wird, Sternenströme, im Prinzip nichts anderes als Wurmlöcher, und dazu jede Menge politischer Intrigen, ist alles schon mal dagewesen. Teils besser, teils schlechter. Eines kann man Scalzis buntem Gemisch aus Allem aber wahrlich nicht absprechen: Unterhaltsamkeit. Das Buch liest sich flüssig und teilweise recht amüsant, wobei man ihm ebenfalls eine gewisse Obszönität nicht absprechen kann. Ob die Kraftausdrücke von Lady Kiva Lagos passend sind oder nicht, muss jeder selber entscheiden. Mir haben sie nicht gefallen.

Die Hauptpersonen des Buches sind ziemlich gegensätzlich. Da wäre als erstes die neue Imperatox Cardenia Wu-Patrick, die ihr Amt nur dadurch antreten darf, da der rechtmäßige Erbfolger bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Dann ist da noch Lady Kiva Lagos, eine junge Frau, die ihr Haus an Bord eines familieneigenen Raumschiffs vertritt und die sich vor allem aufgrund ihrer obszönen Redensart nachhaltig beim Leser einprägt. Der dritte im Bunde ist ein junger Adliger names Marce Claremont, ein Wissenschaftler der die physikalischen Ergebnisse seines Vaters, dass sich die Ströme verschieben, bzw. kollabieren, der Imperatox auf Ende vortragen soll. Die großen Antagonisten sind die Geschwister Nohamapetan, drei an der Zahl. Man sieht, auch hier ist alles recht übersichtlich und einfach gehalten.

Zu der Handlung gibt es eigentlich auch nicht wirklich viel zu sagen. Da es der erste Band einer wohl etwas längeren Reihe wird, wäre es ja auch schade, wenn Scalzi bereits hier sein ganzes Pulver verschießen würde. Statt dessen bringt er seine Chronisten dezent in Stellung und bereitet alles weitere für den zweiten Band vor. Abgesehen von einer intriganten Revolution auf dem Planeten Ende, die durchaus recht hinterlistig geplant und durchgeführt wurde, passiert nicht wirklich viel. Der Rest ist eher den politischen Schachzügen der Familie Nohamapetan gewidmet, welche sich bemüht, mehr politischen Einfluss auf die neue Imperatox auszuüben, und den Geschehnissen rund um die Thronbesteigung von Cordelia.

Scalzi gibt dem Leser leider nur einen kleinen Einblick in das bestehende Imperium, wobei allerdings nur den Planeten Ende und Nabe, eine etwas umfangreichere Vorstellung gewährt wird. Um dem Leser den Werdegang der Interdependenz wenigstens etwas näher zu bringen, greift Scalzi auf einen kleinen Kniff zurück: den Gedächtnisraum. Hier sind die aufgezeichneten Erinnerungen aller vorherigen Imperatoxe gespeichert und diese können als holografische Versionen abgerufen werden. Cardenia kann sich so in einem 1:1 Gespräch über die wahren Hintergründe der Interdependenz informieren und kommt so einem gut gehüteten Geheimnis auf die Spur.

Witzig sind vielleicht noch die vielen klangvollen Raumschiffsnamen mit denen hier Scalzi um sich wirft. Da gibt es die Tell me another one, die Yes, Sir, that's my baby oder die If you want to sing out, sing out. Erinnert wird man dabei so ein bisschen an die Kultur Reihe von Iain Banks oder die Polis Bücher von Neal Asher. Nur haben in dem vorliegenden Buch die Raumschiffe leider keine eigene künstliche Persönlichkeit, wie in den zuvor genannten Büchern. Und, wo wir schon einmal bei Ähnlichkeiten sind, mich hat Kollaps vom Erzählstil und vom Gefühl her ungemein an das Buch von Garth Nix Das Imperium der Prinzen erinnert. Hier sehe ich viele Gemeinsamkeiten.

Tja, alles in allem ist es das auch schon grob gewesen. Das Buch endet offen mit einem kleinen Cliffhanger. Wie anfangs schon geschrieben, ist das Buch nicht gerade voller neuer Ideen, Techniken oder Gegebenheiten mit Alleinstellungsmerkmal, aber dennoch so gut geschrieben, dass es durchaus einen schönen Unterhaltungswert hat. Ich jedenfalls möchte gerne wissen wie es weitergeht. Das Potenzial nach oben hin ist noch nicht ausgeschöpft und ich bin guter Hoffnung, dass Scalzi noch ein paar nette Überraschungen in petto hat.
 
 
 


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